Ecu - Stoffwechselbilanzierung
Die Umwelt braucht eine ökologische Rechnungseinheit.
Polykrisen & Naturzerstörung
„Planeten gibt es viele, unsere Wirtschaft nur einmal“ (Die Partei).
Mit dem Kapitalismus herrscht aktuell ein Wirtschaftssystem vor, in welchem ein Wachstum der Gesamtwirtschaft fest in die Struktur eingeschrieben ist. Diese Festschreibung geschieht auf zwei Ebenen. Erstens ist sie bereits in der Industriellen Revolution angelegt. Durch die steigende Effizienz ist es mit immer weniger Aufwand möglich, immer mehr Natur zu nutzen. Dieses Wachstum führt durch die Konkurrenz und das Privateigentum zu Konkurrenzdruck auf andere Unternehmen. Das Wachstum wird hierdurch zu einem Zwang.
Dieser Wachstumszwang führt aktuell zu umfassender Naturzerstörung, wie der exponentielle Anstieg des CO₂-Ausstoßes zeigt. Eine Entkopplung von Wachstum und Naturzerstörung konnte bisher nicht nachgewiesen werden, selbst bei Zusagen zur Reduzierung von CO₂-Emissionen. Zudem führt das Profitprinzip dazu, dass bei Einsparungen in einem Bereich (z.B. CO₂-Ausstoß) auf andere Bereiche ausgewichen wird, wie der Abbau von Lithium oder die Atomkraft zeigen.
Naturzerstörung limitieren
In diesem Text mache ich dafür einen Vorschlag für ein Modul welches diese Naturzerstörung effektiv beenden soll.
Von den ökologischen Krisen sind unter anderem nichtmenschliche Wesen und zukünftige Generationen sehr stark betroffen. Viele Tiere würden komplett aussterben und der größte Teil des Meeresspiegelanstiegs betrifft nur Menschen, die heute noch gar nicht geboren sind.
Die Berücksichtigung der Interessen nichtmenschlicher Lebewesen und zukünftiger Generationen durch „einfache“ deliberative Prozesse erweist sich als nicht so einfach, eben weil sie sich nicht direkt äußern oder verhandeln können. Der Vogel kann eben nicht sprachlich für sich Partei ergreifen.
Ich finde es daher naheliegend, hier auf ein System zurückzugreifen, bei dem weniger direkte Aushandlungsprozesse nötig sind. Ich plädiere hier für eine zentrale ökologische Rechnungseinheit mit einem globalen Limit, die die Einhaltung dieser Grenzen sicherstellt.
Die Aushandlung darüber, wie sich diese Maßeinheit zusammensetzt, würde nur einmal geführt (und bei Bedarf später angepasst). Diese Aushandlung kann und muss so geführt werden, dass sie transparent ist und auch Personen ohne Expertise nachvollziehbar ist. Es müssen auch die Bedürfnisse nichtmenschlicher Lebewesen und noch nicht geborener Menschen mit berücksichtigt werden. Mithilfe dieser zentralen ökologischen Rechnungseinheit soll dann eine Stoffwechselbilanz innerhalb der Planetare Grenzen erfolgen da dies das aktuell umfassendste und am breitesten wissenschaftlich diskutierte Modell dieser Art ist.
Ökologische Rechnungseinheit
Doch wie lassen sich die für die gesamte Erde aufgestellten planetaren Grenzen auf einzelne Produktionsschritte oder sogar Produkte abbilden? Zu dieser Fragestellung gibt es bereits erstaunlich viel Wissen, das für diesen Prozess nutzbar gemacht werden kann. Bei der Ökobilanz oder Lebenszyklusanalyse (LCA) werden bereits für viele Produkte ihre Auswirkungen auf mehrere der Kontrollvariablen der planetaren Grenzen untersucht. Dazu gibt es mehrere umfangreiche Datenbanken, in denen für eine große Anzahl von Produktionsschritten oder Natureingriffen (z. B. Rohstoffabbau) aufgeführt ist, wie deren ökologische Auswirkungen aussehen. Diese Informationen können dazu genutzt werden, die Umweltauswirkungen für alle relevanten primären Produktionsschritte zu ermitteln. Die Auswirkungen späterer Produktionsschritte oder die Auswirkungen einzelner Produkte sollen dann innerhalb der Produktionskette selbst errechnet werden. Dazu sind zwei Schritte nötig.
Erstens muss aus den 9 planetaren Grenzen eine gemeinsame ökologische Einheit (Ecological Unit, Ecu) generiert werden.
Zu jeder planetaren Grenze gibt es ein oder zwei Kontrollvariablen, anhand derer der Zustand des entsprechenden Bereiches bzw. das Überschreiten einer Grenze abgelesen werden kann. Damit der Ecu generiert werden kann, muss für jede planetare Grenze jeweils eine Kontrollvariable vorhanden sein, die direkt auf menschlichen Einfluss zurückzuführen ist. Dies ist etwa beim CO₂-Äquivalent der Fall. Auch für die meisten anderen planetaren Grenzen bestehen Kontrollvariablen, die sich auf menschliches Handeln zurückführen lassen.
Die Anzahl der erlaubten Verschmutzungseinheiten pro Jahr (BudgetJ) für jede planetare Grenze wird berechnet, indem die vorindustrielle Konzentration (VK) der jeweiligen Kontrollvariable von ihrer absoluten Grenzmenge (Grenze) abgezogen und dieser Wert durch die durchschnittliche Regenerationszeit (d.h. wie lange Stoffe in der Umwelt verbleiben oder sich Ökosysteme erholen) geteilt wird.
BudgetJco2 = ( Grenzeco2 – VKco2 ) / Regenerationco2
Dann berechnen wir eine Gesamtauslastung (Überlastung)
Gesamtauslastung_t = Summe(Nutzung_tx/Budget_tx) / N
mit N = Anzahl der betrachteten Grenzen und t als einem Zeitschritt (zb 1 Monat)
Alle Indikatoren benötigen einen Ecu-Preis (P(x)).
Die Startpreise in Ecu ergeben sich aus dem aktuellen Verbrauch
Ecuco2 = ( Ecumenge_t / N ) / Nutzung_t0co2
Die Start-Ecumenge (Jahr) wird mindestens als EcumengeZiel gewählt; bei Überlastung zum Start wird sie mit dem Verhältnis der Summen skaliert.
EcumengeJ = EcumengeZiel * max(1, Summe(Nutzung_t0g) / Summe(Budget_t0g))
Die monatliche Ecumenge (Ecumenge_T) sinkt während der Absenkungsphase (Gesamtauslastung > 1) in jedem Schritt (zb Monat) um einen politisch festgelegten Prozentanteil (Deltagesamt, z. B. 1 = 1 %), nicht unter EcumengeZiel/12.
Liegt die Gesamtauslastung ≤ 1, wird die Ecumenge eingefroren; Ecumenge_T bleibt dann auf dem erreichten Niveau.
Damit auch die einzelnen Zwischenpreise stimmen wird pro Zwischenschritt eine QuoteTco2 (und für alle weitern Grenzen) festgelegt.
f steigt in jedem Schritt der Absenkungsphase um Deltagesamt (bis höchstens 1);
liegt die Gesamtauslastung ≤ 1, bleibt f eingefroren.
if f < 1.0:
quote_T[k] = nutzung_t0[k] * (1.0 - f) + budget_T[k] * f
else:
quote_T[k] = budget_T[k]
bzw. als Hilfsgröße je Grenze (nocht nicht in der Preisformel):
Auslastung_tco2 = Nutzung_tco2 / Budget_tco2
Delta_tco2 = Deltagesamt * Auslastung_tco2 / Gesamtauslastung_t
Der Preis muss dann so gewählt werden das die QuoteT möglichst gut getroffen wird. Dazu wird pro Schritt jeweils
Ecuco2 = ( Ecumenge_T / N ) / Quote_tco2
Anschließend wird in jedem Schritt normiert, sodass gilt:
Ecumenge_T = P(co2)*Quote_tco2 + P(HANPP)*Quote_tHANPP + …
Damit ist in jedem Zwischenschritt die Verteilung der Ecumenge auf die Ziel-Quoten gesichert.
Auch die relative Überlastung einer Grenze wird während der Absenkungsphase bereits über die Quote-Interpolation berücksichtigt, so dass Grenzen mit höherer Auslastung stärker Richtung Budget geführt werden. Da bereits von historischen Verbräuchen ausgegangen wurde, wird die Abweichung pro Grenze erstmal in einem erträglichen Rahmen verlaufen.
Allerdings wird hier die Preiselestizität noch nicht berücksichtigt. Wenn es also leichter ist stickstoff zu ersetzen als auf co2 zu verzichten wäre es möglich das stickstoffemmision mittelfristig immer weiter sinkt während co2 relativ teuer verbleibt.
Daher wird wenn genügend historische daten vorliegen (zb ab Preisschritt 5)
Roh_Ecuco2 = Elastikfaktor * ( Ecumenge_T / N ) / Quote_tco2
Als Rohpreis gewählt. Elastikfaktor ist dabei zu Beginn 1 und wird bei Abweichung zwischen Nutzung und Quote angepasst:
Elastikfaktorstart_co2 = Summe(Nutzung_t / Quote_t) / Zeiträume
wenn Nutzung_tco2 > Quote_tco2:
Elastikfaktor_co2 = Elastikfaktor_co2 * (1 + alpha * (Nutzung_tco2 / Quote_tco2 - 1))
Der Elastizitätsfaktor müsste eventuell bei Bedarf noch angepasst werden.
Desweiteren ist noch eine Mechnismus notwendig um Emmissionswerte die sich dauerhaft unterhalb des Zielwertes liegen aus der berechnung auszuschliessen.
Zweitens müssten die einzelnen Produktionsschritte mit ECU-Werten versehen werden. Dazu würden alle primären Produktionsschritte nun auf Grundlage der Daten in den LCA Datenbanken und in Abhängigkeit von den Auswirkungen auf die einzelnen Kontrollvariablen einen ECU-Wert erhalten. Bei jedem weiteren Produktionsschritt müssen die Betriebe für Vorprodukte nun den ECU-Preis verrechnen. Dies ist im Gegensatz zu kapitalistischen Preisen aber eine durchlaufende Rechnungsgröße. Es ist nicht möglich, einen Gewinn zu machen. Kauft ein Unternehmen also Aluminium und Holz und bearbeitet diese mithilfe einer Säge und eines Bohrers unter Zuhilfenahme von Strom zu mehreren Tischen, so muss der ECU-Preis des Aluminiums, des Holzes, des verbrauchten Stroms sowie der beiden Werkzeuge auf die Tische verteilt werden. Dabei muss berücksichtigt werden, wie viel Ausschuss entsteht oder für wie viele Tische eine Kreissäge reicht, bis sie erneuert werden muss. Betriebe können langfristig nur Güter herstellen, die auch nachgefragt werden, denn im laufenden Betrieb müssen Einnahmen gleich Ausgaben ergeben.
Wenn Investitionen oder neue Produkte eingeführt werden, können ECU-Schulden aufgenommen werden. Für Forschungsprojekte kommen die ECUs direkt vom Staat. Für den Bau einer Fabrik ist ein ECU-Kredit notwendig, dessen Vergabe von der realistischen Rückzahlungsfähigkeit abhängt. Die Rückzahlung erfolgt durch die Umlegung von ECU-Kosten auf die Produkte über einen längeren Zeitraum. Kredite werden nur vergeben, wenn das Produkt als ECU-effizient genug erscheint. Diese Kredite könnten teilweise von einem gemeinnützigen ECU-Bankenwesen vergeben werden, ergänzt durch Direktkreditvergabe ähnlich dem Crowdfunding.
Verteilungsfragen
Der Ecu-Kreislauf schließt sich, indem alle verfügbaren Ecus nun auf alle Menschen und Staaten aufgeteilt werden. Jeden Monat werden dabei neue Ecus zur Verfügung gestellt. Mit diesem Verschmutzungs-Grundeinkommen können so alle Menschen gleich viel an der Verschmutzung der Erde teilhaben.
Staaten müssen für alle ihre Handlungen, die die planetaren Grenzen betreffen, ebenfalls Ecus bereitstellen. Der Ecu wäre im Idealfall ein eigenständig Währung. Alternativ könnte er aber in der Hauptwährung bezahlt werden aber eigenständig ausgewiesen werden.
Dabei unterscheidet sich das System deutlich von den aktuell praktizierten Fußabdrücken für Konsum.. Die Verschmutzungseinheiten durchziehen vom Konsum ausgehend den ganzen Produktionsprozess und haben damit direkte Auswirkungen auf denselben. Ein Abwälzen des Einhaltens von planetaren Grenzen auf private Konsumentscheidungen würde dadurch eben gerade nicht mehr stattfinden. Das System würde allerdings keine zusätzlich nötige Planung ersetzen. Ob individueller Personenverkehr sowieso komplett abgeschafft wird, kann zusätzlich von vornherein entschieden werden; für alle Bereiche, die grundsätzlich bewirtschaftet werden, erzwingt der Ecu aber eine Produktion im Rahmen der planetaren Grenzen und schafft gleichzeitig eine – auf Naturzugriff begrenzte – Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Menschen.
Vorteile Gegenüber alternativen Lösungen
Der Ecu hat aus meiner Sicht mehrer Vorteile gegenüber Steueren oder Zertifikaten auf Unternehmensebene. Zum einen, weil die Anpassung an die ökologische Krise hier auf einer ganz anderen Ebene stattfindet. Statt dass Heizen, Mobilität etc. teurer wird und so Umweltschutz gegen soziale Gerechtigkeit ausgespielt wird, würden alle Menschen dann Ecus bekommen. Statt dass sich für sie etwas verschlechtert, bekämen sie zusätzliche Rechte. Dies ließe sich mM nach auch politisch besser erklären als Preisanstiege. Die Einführung der beschriebenen Maßeinheit wäre auch deswegen interessant, weil es keine beherrschende Gegenerzählung zu einer gleichberechtigten Verteilung gibt. Es scheint daher deutlich einfacher, in diesem Feld durchzusetzen, dass alle Menschen gleich viel bekommen, als Geld umzuverteilen. Dabei hätte diese Einführung voraussichtlich Folgen auch in Bezug auf die jetzigen Besitzverhältnisse. Die Einführung einer solchen Verschmutzungseinheit kann daher auch als soziale Transformationstechnologie verstanden werden.
Der Ecu wäre daher natürlich nur ein Schritt auf dem Weg zu einer demokratischeren und gerechteren Wirtschaft.